Mittwoch, 21. März 2007

Um Gottes Willen! Sein Wille geschehe, wie im Gebet beschworen - und es geschehe 'Im Namen Gottes'!

Was muss denn das für ein Gott oder was für eine Göttlichkeit sein, der oder die sich in den Umständlichkeiten allen Willens und Wollens manifestiert?
Ist die Beschwörung des Willens einer solchen Gottheit nicht ganz einfach ein Versuch, die menschliche Neigung, der Macht, der man sich unterwerfen kann, um sich unter Berufung darauf Schwächere zu unterwerfen, zu heiligen? Ist die Anrufung eines imaginär einzigen, zentralen und absoluten Willens nicht ein Trick, diesen Selbstverrat und diese Selbsterniedrigung durch Anbetung des Götzen zu Frömmigkeit, Gottesfurcht, Wissenschaftlichkeit, Gehorsam und Leistungsbereitschaft über die eigene banale Verstrickung im Profanen zu erheben?
Die Beschwörung: 'Dein Wille geschehe' ist, zusammen mit den andern Beschwörungen, eine Droge, die die Einbildung einer Selbsterhöhung ('high') durch feige Untertänigkeit verschafft, wie wenn das sich in den Staub Werfen vor einer Einbildung (einem Ein-bildnis) zur 'Reinigung' vom als 'Profanes' Verachteten führen könnte.
Das ist besten Falls ein Lauf an der Longe eines angeblich einen und einzigen (Ein-bildung! - Ein-Bildnis!) Gottes, um den sich, wie den brav und ihre geistigen Talente vergrabend Gläubigen gelehrt wurde, 'in Ewigkeit' Alles drehe, ist aber so gewiss kein aus diesem Teufelskreis - im wahrsten Sinne - der Ächtung des Profanen und des sich Niederwerfens darin vor einem Bild des Unerreichbaren hinaus- und weiterführender Weg.

Das Göttliche bedarf zu seiner Manifestation keines Willens, der sich kraft Übermacht menschlichem Willen entgegenstellt und sich an Stelle des menschlichen Willens mit Schrecken erzeugenden und Ehrfurcht gebietenden Inszenierungen (shock and awe) aufzwingt. Es bedarf zu seiner Manifestation auch keiner Machtdemonstration, da es ja unerschöpflich schöpferisch ist. Das Göttliche kann zulassen, dass als Folge dessen, was der Mensch mit seinem Willen anstellt oder geschehen lässt, geschieht.
Vieles, was zur Zeit geschieht, ist Folge vernachlässigten und der Dynamik von Macht- und Ressourcenverteilungsinteressen einfallslos preisgegebenen individuellen Willens. Wer wegen solcher Folgen herrenlos und verwildert in der Barbarei verkommenen Willens etwa nicht verstehen kann, 'wie und warum denn Gott das zulassen könne', hat an den Gott geglaubt und diesem vertraut, von dem Nietzsche zu Recht sagt, er sei tot! (Was nicht meint, es gebe keinen Gott, sondern sagen will, dass viele einen klerikal beweihräucherten und katechisierten Götzen für ihren Gott halten).

Der Wille ist ein mentales Vehikel für die Reise durch die Umständlichkeiten und Schwierigkeiten des Profanen.
Es gibt keine transzendente (jenseitige bzw. 'heilige') Rechtfertigung dafür, dem Individuum fremden Willen aufzuzwingen. Die 'Condition humaine' (im existenzphilosophischen Sinne) besteht in der autonom individuellen Erfahrung dieses 'Ich'-Vehikels und in der Erlernung des Umgangs mit dessen Fähigkeiten, Möglichkeiten und Tücken.

Töten
Alles Brechen, Beugen, Lähmen, Erniedrigen, Irreführen und Ausbeuten des Willens - ob des Eigenen oder eines Andern - ist schon Töten im Sinne der 10 Gebote.
'Töten' in diesem Sinne ist alles, was um einer Einbildung, Idee oder Zweckes Willen autonome, individuelle, eigensinnige, eigenwillige und unbändige Entfaltung unter den Bedingungen des Profanen behindert, einschränkt, manipuliert, geringschätzt,verfolgt usf. Es ist eine Katastrophe, dass kollektive Systeme, die genau die Zurechtstutzung und -biegung individueller Eingenwilligkeiten auf die Bedürfnisse des reibungslosen Funktionierens ihrer Einrichtungen für evolutionäre Errungenschaften gehalten und 'Kultur' genannt werden.

Wer selber schon in diesem weit übertragenen Sinne getötet worden ist, hat grosse Mühe, zu verstehen, was Lebendigkeit ist
und was 'Leben', das dieser Benennung im existentiellen Sinne würdig ist, wirklich wäre. Sein Neid auf die nicht oder weniger Abgetöteten regt sich. Er fordert entweder untaugliche 'Wiedergutmachung' in Form etwa von 'Gleichberechtigung', 'sozialer Gerechtigkeit', 'Menschenrechten' oder resigniert und sieht allein in der logistischen Perfektion der Handhabung des Profanen bei gleichzeitiger Maximierung von Lustgewinn einen noch akzeptablen Daseinssinn, wobei Töten zur Überlebensnotwendigkeit und so quasi 'naturgesetzlich' über allen Zweifel erhoben und erhaben wird.
Beides - die untaugliche Wiedergutmachung ebenso wie die technokratisch, ressourcenstrategisch und administrativ konsequente Fortsetzung des Tötens - geschieht unter Berufung auf gegenüber dem Profanen überhöhte Rechtfertigungsinstanzen bzw. 'Gottheiten' mit modernen Namen wie 'Demokratie', 'Sozialstaat', 'Rechtsstaatlichkeit' 'Nationale Sicherheit', 'Marktwirtschaft mit 'freiem' (aber nicht fairem) Wettbewerb' , 'Leistungsprinzip' usf. (Insofern gibt es zwar mächtige, vordergründig monotheistische Religionen aber nirgends auf der Welt - schon gar nicht in sog. 'Gottesstaaten' - einen existentiell konsequenten und konkreten Monotheismus.) Die scheinbare Gegensätzlichkeit zwischen diesen Tendenzen beruht darauf, dass die diesen Kulten Huldigenden mehr nach der einen oder andern Seite hin abgetötet worden sind. Die Struktur der Meinung von der eigenen individuellen Existenz, Identität
und vom diesen bestimmenden Willen, ist dennoch in beiden Fällen die konzeptionell selbe. In beiden Fällen geht es um die Dominanz der Gesinnungs- und Kultgemeinschaft, der man sich als (Rumpf-)Individuum angeschlossen fühlt.
Der Abgetötete kann die Empörung und den Widerstand der weniger Abgetöteten und noch weniger Abgestorbenen schwer oder nur unter grossen Schmerzen (Depressionen) verstehen.

Menschenopfer
Darum widerspricht das Gebet, dass 'sein Wille' (und das ist eben fremder Wille) geschehe, dem Gebot, nicht zu töten (was übrigens kein Verbot ist, auf profaner Ebene - etwa durch Schlachtung von Tieren - zu töten. Je feiner allerdings die Auffassung von 'Willen', desto grösser die Hemmung auch im Profanen, zu töten. Diese Hemmung ist Ausdruck verfeinerten, entwickelten und bemeisterten Willens. Wille wird dabei zu Ästhetik).
Da das erwähnte Gebet gemeinschaftlich oder im Sinne und Namen einer Glaubensgemeinschaft gesprochen wird, wird effektiv darum gebeten, dass auch der Wille des Nächsten dem Willen des Angerufenen geopfert und unterworfen werde. Es ist ein unter kollektiv vorgegaukelter Spiritualität vollzogenes Generalritual zur Entmündigung des Individuums und zur Opferung dessen (des Individuums) Willens auf dem Altar des dem Profanen Entrückten und entsprechend Unerreichbaren. Der Kerngehalt dieses Rituals wird bis in kleinste Gruppierungen als Führungsprinzip bzw. Unterordnungs- und Unterwerfungsbereitschaft fraktalisiert und modularisiert.

Im Gebet, dass 'Sein Wille geschehe', gibt der Unterwürfige seine Verantwortung für die Erfahrung, Erlernung und Gestaltung seiner Ichheit unter den Bedingungen des Profanen ab. Er rechtfertigt die zwiespältige Lust, sich durch Belohnung durch das fiktiv Übergeordnete (das letztlich eine Projektion von unentwickelter, infantiler Ichheit ist, die sich über Belohnt- und Bevorzugtsein definiert) über Andere zu erhöhen (sich 'high' zu machen) und entsprechend berufen zu fühlen, lobende, rühmende und belohnende Macht einerseits, tadelnde, verurteilende und strafende Macht über weniger Erhöhte andererseits auszuüben, als 'Heilige (gottgewollte) Ordnung' ('Hierarchie'). Damit wird individueller Wille nicht entwickelt und gestärkt sondern zum Schalt-, Übertragungs- und Vernetzungsmodul zentralisierter Lenkung.
Ein echt bzw. existentiell starker Wille ist um- und weitsichtig und entsprechend rücksichtsvoll und behutsam. Ein existentiell schwach fundierter Wille dagegen muss sich, weil unentwickelt, unkultiviert und zwanghaft erfolgsabhängig bzw. belohnungssüchtig, durchsetzen. Er kompensiert Schwäche durch Anmassung, Rücksichtslosigkeit, Druck- und Gewaltmittel.
Die Privilegien, die er sich damit und dabei ganz beiläufig (z.B. Nepotismus, Korruption) verschafft, sind allesamt ausgesprochen profaner Natur. Hier schliesst sich die zirkelschlüssige 'Logik', dass die Geringschätzung des Profanen Voraussetzung sei, sich vor einer eingebildeten einzigen höchsten Göttlichkeit in den Staub zu werfen, die Fähigkeit zu eigener Willensgestaltung und -beherrschung zu verraten und sich von der eingebildeten höheren Instanz einen 'reinen, heiligen, über alles Profane erhabenen' Willen zu Lehen geben zu lassen, der nun in deren Namen auf der Ebene des Profanen bald als 'von oben' entlehntes Recht, bald als 'von oben' auferlegte Pflicht ausgeübt wird, ohne jede Rechenschaftslegung gegenüber den dieser profanen Machtausübung Unterworfenen, was nun Ausübung von Recht und was Erfüllung von Pflicht sei. Das Profane wird 'von oben' herab mit Unterlegenem und 'Minderwertigem' gleichgesetzt. Die gegenüber den 'Minderwertigen' verweigerte Rechenschaft wird durch Berufung auf die für die Unterlegenen unerreichbar hohe Instanz ersetzt und entsprechend sind die Privilegien, wie wohl eigentlich hundsgewöhnlich profaner Natur, aus dem Staub, in den man sich geworfen, um sich durch Selbstverrat zu erhöhen, mit Weihwassern und andern Qualifikationsritualen zu Manifestationen höherer Einweihungen gewandelt und von aller Niedertracht 'reingewaschen' - ganz besonders von den Fragen der Vergötzung von Profanem und des Tötens im Namen des Vergötzten.
Keine Ähnlichkeit mit dem Administrator

Ultra Fines Officiorum - Ausser Rand und Band

Nashaupt's 'Programm'

Die Unparteilichkeit der Logik ist nicht die einzige aber die unab- dingbarste Gewähr für die Freiheit des Denkens. ---------------------------------------------------------------------- Niemand hat Anspruch darauf, die Prämissen (Vorbedingungen) des Denkens für Andere zu bestimmen. ---------------------------------------------------------------------- Beim Streit um Prämis- sen geht es zweifellos immer und ausschliess- lich um Macht, nie um Einsicht ---------------------------------------------------------------------- Einzelheiten siehe im Beitrag NASHAUPT'S PROGRAMM 'auf dieser seite https://nashaupt.twoday.net/ index : stories/1234793/

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