Dienstag, 3. Juli 2007

Bildungspolitik - Lob der Schule

Bildungspolitik - Joachim Bauers Lob der Schule
(Eine etwas eigenmächtige Rezension)

Der Autor
Joachim Bauer ist Medizinprofessor und Psychotherapeut und sowohl für innere Medizin als auch für Psychiatrie habilitiert.
Nebst anderen Leitungsfunktionen als Oberarzt an der Uniklinik Freiburg i.Br. ist er wissenschaftlicher Leiter des Münchner
"Instituts für Gesundheit in pädagogischen Berufen" und Projektleiter eines von der Bundesregierung unterstützten Schulprojekts
in Südbaden.

Das Buch
In seinem erst vor kurzem neu erschienenen Buch 'Lob der Schule' entwirft Bauer in sieben Kapiteln auf 140 Seiten 'Sieben Perspektiven für Schüler, Lehrer und Eltern'.

In themenbezogenen Fussnoten gibt er für den konzentrierten Leser gut verständliche Erläuterungen zu neurobiologischen Voraussetzungen und Prozessen des Lernens, der Aufmerksamkeit, der Motivation usf.
Seine Verweise auf Literatur und Interviews betreffen überwiegend Erscheinungen und Ausgaben aus den Jahren 2006 und 2007, teilweise
auf Werke, die zur Zeit der Veröffentlichung von "Lob der Schule" noch in Vorbereitung waren.

Die Leseerfahrung
Hier geht es weder um eine Inhaltsangabe noch eine Kritik des Buchinhalts, sondern um die Beschreibung des hemmungslos subjektiven
Erlebnisses, das das Buch dem Verfasser dieser eigenmächtigen Rezension beschert hat. Es ist davon auszugehen, dass der Pseudo- und
Putativrezensent Einiges vielleicht nicht im vom Buchautor gemeinten und gewollten Sinne mitbekommen und es statt dessen mit eigenen Ideen und Reaktionen befrachtet hat. Umso wichtiger wird angesichts solch eigenmächtigen Missbrauchs fremder Leistung die Empfehlung an Interessierte, das Buch von Joachim Bauer selber zu lesen und danach vom Buch selbst statt über diesen Artikel zu sprechen.

Das Buch liest sich in wichtigen Teilen als eine 'Utopie' im wahren Sinne des Wortes, also einer Setzung von Zielen, die noch 'Nirgendwo' (Ouk'topos) erreicht sind, was gerade nicht heisst, dass sie unerreichbar seien. Es liefert im weiteren Visionen im Sinne einer Weiterentwicklung konkreter Erfahrungen, Einsichten und Ansätze zu einer eigentlichen, neuen, lebens- und weltzugewandten Schul- und Bildungskultur.
Letztlich geht es dabei um weit mehr als 'nur' um Schule. Deutlich wird dabei jedem ernsthaft Interessierten und Engagierten, wie zentral die Bedeutung von Schule und Bildung nicht bloss für Belange einer Nation oder eines Herrschafts- und Wirtschaftssystems, sondern in erster Linie für das Mensch Werden und Sein sind.

Das Schulkind zwischen "Zuhause-Reaktor" und Schulhof als erstes Portal zur 'Aussenwelt' und zur 'Fremde'.
Schule spiegelt ihrem Wesen und Veranlagtsein gemäss die Welt der Erwachsenen und vermittelt zwischen Jugend und Erwachsenheit.
Diese Funktion wird umso unentbehrlicher, als die Welt der Erwachsenen für die Jugend immer weniger als durch unmittelbare Sinneseindrücke und wiederholte Beobachtung von Vorgängen in einer grundsätzlich friedlichen und mit dem Zuhause korrespondierenden Arbeitswelt nach und nach verständlich und nachvollziehbar wird, sondern sich über Bildgebungs- und -erzeugungsverfahren und über abstrakte Begriffe sowie durch mit willkürlich komponierten Inhalten und Werten aufgeladene Signale und Symbole 'offenbart' (was immer 'offenbaren' hier heissen und wie immer das vom jugendlichen Individuum in seiner persönlich einmaligen Situation erlebt und gedeutet werden mag).
Mit ihrer Spiegel- und Mittlerfunktion lädt die Schule - ob ihr (bzw. ihren Experten, Planern und Verwaltern) willkommen oder nicht - das
schulpflichtige und -fähige Kind auch dazu ein, seine Weltsicht und -erfahrung über die bisher - im Idealfall schützende und entsprechend als 'Geborgenheit' gewertete - Enge des 'Fünfzimmer-Normreaktors', worin 'Familie' sich bildet, sich ereignet, sich abspielt und gepfercht ist, hinaus zu erweitern.
Schon daraus, dass die Alltagsroutine im erwähnten 'Zuhause-Reaktor' vom einen Kind als Geborgenheit, vom andern eher als Gefangenschaft oder vom ein und selben Kind zugleich in dieser Hinsicht als das eine, in jener dagegen als das andere erlebt werden kann, entstehen durch die Begegnung mit dem weiteren und entsprechend als bedrohlich oder befreiend gedeuteten Raum der Schule subtile Spannungen, die zu erkennen und zu artikulieren auch pädagogisch gebildete Erwachsene nicht ohne weiteres im Stande sind, die aber dennoch wirken.
Es sollte eigentlich nicht überraschen, dass Kinder die Schule bzw. deren Einrichtungen und Betrieb auch als Gelegenheit und Mittel deuten, entdecken und ausprobieren, aktuelle mentalatmosphärische Ungleichgewichte, Defizite oder Überlastungen in ihrer - ja nicht frei gewählten - Wohn- und Beziehungssituation auszugleichen, wo und sofern sie ein Bedürfnis nach solchem Ausgleich empfinden.
Dieser Ausgleichsbedarf wird in dem Masse sowohl quantitativ als auch qualitativ anspruchsvoller, als sich die Kluft zwischen intellektueller
und emotionaler Gewohnheit in der Beziehungs- und Wohnsituation des Kindes und diesem in bzw. aus der Welt 'ausser Hause' entgegentretender Anforderung einer globalisierenden Gesellschaft und Daseinsbehauptungsarena der Erwachsenen weitet.
Die 'Welt ausser Hause' bedeutet für das noch kleine Schulkind zunächst eben vor allem Schule, Schulweg und eine Vielfalt von diesen 'Dimensionen' teils gebotenen, teils wiederum aufgezwungenen Beziehungen und Sinneseindrücken. Mit dem Altern des Schulkindes und mit der Zunahme in der Schule und 'anderswo' erworbener und geübter Unterscheidungs-, Merk- und Deutungsfähigkeiten werden zunehmend die Medien zu Schnittstellen zur Welt 'ausser Hause' und zu deren - teils auch 'verbotenen' - Aspekten.

Der Anteil von jungen Menschen aus Regionen mit überdurchnittlich grosser Abwanderung Richtung prosperierende Regionen Europas ist aus Sicht der Planung, Verwaltung und des Betriebs von Schule augenfälligste aber bildungspolitisch und -kulturell nicht wirklich schwierigste Aspekt dieser Kluft.
Bauer zitiert die Aussage des Amerikanischen Schulexperten Frank McCourt, wo dieser die Schüler mit 'heatseeking missiles' vergleicht und damit dazu auffordert, den untrüglichen Instinkt junger Menschen für das Aufspüren des Unechten und Verlogenen im Auftreten und in den Werthuldigungen der Erwachsenen nicht zu unter- oder gar geringzuschätzen.
Die Schule ist als Repräsentantin der Erwachsenen gegenüber der Jugend und als Mittlerin zwischen 'zu Hause' und der 'Aussenwelt' bzw. 'Fremde' sowie zwischen Gegenwart und Zukunft gefordert, mit der Jugend auch die von dieser hinterfragten Unvollkommenheiten, Ratlosigkeiten und Verlogenheiten der Welt der Erwachsenen zu erörtern. Vermeidet sie das in dem der jeweiligen Reife der Schüler nicht entsprechendem Masse, gibt sie mit dieser Verweigerung von Wahrheit der Jugend ein Vorbild nicht nur von Erwachsenheit sondern auch von Überlegenheit, die darauf beruht, der Wahrheit aus dem Wege zu gehen wenn nicht gar diese zu unterdrücken. Damit aber stellt sie ihre Autorität in Frage, bis zu einem gewissen Grade über falsch und richtig zu entscheiden und untergräbt das Vertrauen in die Richtigkeit und Tauglichkeit der von ihr vermittelten Lerninhalte für die Wirklichkeiten des Lebens. Ist dieses Vertrauen gestört, nützt es gerade überhaupt nichts, wenn Schüler 'wieder lernen', wie neulich von einem im Wahlkampf stehenden (und schliesslich siegreich daraus hervorgegangenen) Politiker seiner grossen Nation versprochen, 'auf- (und womöglich auch noch stramm -) zu stehen, wenn der Lehrer die Klasse betritt'.

Unpathetische Ehrlichkeit gegenüber der Jugend währt am längsten und motiviert sie am nachhaltigsten. Eine Utopie?
Joachim Bauer antwortet auf diese Frage mit konkreten und praktisch ausführbaren Vorschlägen.

Bitte lesen Sie das Buch selber. Erzählen Sie nicht weiter, was Sie darüber gehört oder an Orten wie etwa diesem hier - und auch an besseren - gelesen haben!

Einen völlig andern, aber nicht zwingend entgegenstehenden Ansatz zum Lernen vermittelt die tibetische Überlieferung. (Gehen sie im Link
auf S. 10 "Science meets Dharma".)
Keine Ähnlichkeit mit dem Administrator

Ultra Fines Officiorum - Ausser Rand und Band

Nashaupt's 'Programm'

Die Unparteilichkeit der Logik ist nicht die einzige aber die unab- dingbarste Gewähr für die Freiheit des Denkens. ---------------------------------------------------------------------- Niemand hat Anspruch darauf, die Prämissen (Vorbedingungen) des Denkens für Andere zu bestimmen. ---------------------------------------------------------------------- Beim Streit um Prämis- sen geht es zweifellos immer und ausschliess- lich um Macht, nie um Einsicht ---------------------------------------------------------------------- Einzelheiten siehe im Beitrag NASHAUPT'S PROGRAMM 'auf dieser seite https://nashaupt.twoday.net/ index : stories/1234793/

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