Die Fähigkeit des Menschen, spontan, ohne äusseren Anlass,
ohne Notwendigkeit und ohne bestimm- und lenkbaren Auslöser
Freude zu bereiten und mit anderen zu teilen
macht den wesentlichsten Teil seiner Gestaltungskraft aus,
Kultur selbst unter widrigsten Bedingungen zu improvisieren.
Kein konstruiertes System - sei es technisch, molekular gesteuert,
normgestaltend und -überwachend oder produktiv und distributiv - ...

wird darin dem Menschen je ebenbürtig werden. Vielleicht wird es
den Anschein von Freude täuschend imitieren, aber niemals die Seele
beleben, erfrischen und zu Vertrauen und Liebe erwecken können.
Alles Bezweckte ist schon von seinem Anfang an leblos und bleibt es.
Seinem Wesen nach ist es sklavisch und entsprechend käuflich.
Freude ist nicht handel- und verhandelbar, sie ist teilbar
aber nicht ver-, zer- und zuteilbar.
Sie ist, die sie ist.
Sie ist wesentliche Ingredienz der Lebendigkeit, die von 'Leben',
wie von Wissenden und Rechthabern definiert, nicht weiss.
Nashaupt - 24. Dez, 14:48
Innovation nennt man die Perfektionierung von Verfahren und Einrichtungen, die sich für die Zahlenden genau so lange wirklich vorteilhaft auswirken, als sie nicht bestenfalls zur Selbstverständlichkeit oder Unentbehrlichkeit, weniger günstigenfalls nebst ihrem vermindert weiter bestehenden Nutzen auch zur allgegenwärtigen und allzeitlichen Belästigung, Fron oder gar Bedrohung - auch für die sie nicht Nutzenden oder sie Ablehnenden - geworden sind.
Was als 'Innovation' auf den Markt gelangt, ist in Wirklichkeit keine echte, sondern Brosame vom Tisch einer Hochtechnokratie, von der die im Weltzeitkäfig Gehaltenen und von Illusionen Gelenkten keinerlei Ahnung und zu der sie eher unfreiwilligen, von extremen Hörigkeiten geprägten Zugang haben. Auf den 'Markt' wird sie gebracht, um die Entwicklungskosten dessen zu amortisieren, was ihren eigentlichen Inhalt und ihre eigentliche Anwendung betrifft, die aber dem Markt vorenthalten bleiben, Nachfrage hin oder her. Die echten Vorteile und Optionen der technischen Entwicklung bleiben der Hochtechnokratie vorbehalten und sind auch theoretisch solange nur ihr zugänglich, als der darin enthaltene Wissensvorsprung für die Machterhaltung und für die Manipulation der Unwissenden nützlich ist.
Zwar wird gelehrt, der Markt werde von Angebot und Nachfrage in Gang gehalten und balanciert, aber dieses Erklärungsmodell wird bei kritischer Beobachtung dessen, was heute 'Globalisierung' genannt wird und bei Hinterfragung der Verheissungen, mit denen das so Genannte geheiligt, so wie der Verfluchungen, mit denen es damönisiert und verteufelt wird, fadenscheinig. Hinter dieser unkritisch verallgemeinernden Plausibilität, die sich am künstlich in überblickbare Verhältnisse gesetzten und wirklichkeitsfremd gegen ausser Acht gestellte Einflüsse abgeschirmten Modell einleuchtend vorführen und zum Axiom erheben lässt, schauen immer deutlicher Wirkungen nicht demokratisch kontrolliert generierter und ausgeübter Macht hervor. Dass Macht schon den idealisierten Markt wesentlich mitbestimmt, wird vom Begriff 'Marktmacht' bestätigt. Dass diese sich allein aus dem Spiel von Angebot und Nachfrage und aus unparteiisch beurteilt besserem Angebot ergebe, ist ein achtenswerter und unerfüllter Wunsch. Auch dass die Nachfrage grundsätzlich das Angebot bestimme, ist nur innerhalb des Geltungsbereichs des theoretischen Marktwirtschaftsmodells und dessen als selbstverständlich angenommenen Voraussetzungen (Lauterkeit des Wettbewerbs, Absenz 'marktverzerrender Einflüsse', ehrliche Leistungs- und Gegenleistungsbereitschaft) wahr und halt eben in Wirklichkeit gerade eher ein seltener Glücksfall.
Der Konsument auf Endverbraucherstufe erlebt heute die Übermacht der Angebotsseite. Ausnahmsweise kann er kurzfristig spektakulär und regional beschränkt gegen die Übermacht der Anbieter punkten (Gen-Mais, Anti-Tabakhysterie) aber auf Dauer manifestiert sich die hochgradig zähe Plastizität der allgegenwärtigen und zu beliebigem Ausweichen fähige Angebotsseite. Diese Zähigkeit der Angebotsseite ist in der Abhängigkeit der Nachfrageseite vom Angebot begründet. Die einzige scheinbare Stärke der Nachfrageseite liegt im Verzicht auf angebotene Annehmlichkeiten. über kurz oder lang generiert aber genau dieser Verzicht neue Nachfragezwänge. (Prognose : In spätestens zwanzig Jahren wird auch in Eropa wieder Tabak geschlotet wie zu Marlboroughs und Gitanes Glanzzeiten).
Die elementare Schwäche der Nachfrageseite ist ihre grossen Teils unkalkulierte, spontane Triebhaftigkeit, die sie in Befriedigungszwänge hineintreibt und sie mit Ersatzbefriedigungen abspeist. Die Verquickung der Triebhaftigkeit mit Idealen (gleichgültig, ob es dabei um Unterdrückung oder Befriedigung der Triebhaftigkeit geht) verstärkt die Abhängigkeit des Nachfragenden von augenblicklicher Erleichterung auf Kosten seiner künftigen Freiheiten. (Beispielsweise ist 'Besitz' eine nach beiden Richtungen hin bindend wirkende Beziehung zwischen Besitzendem und Besessenem. Durch Gewohnheit gleichen sich die Positionen an einander an und das Besessene wird als Beziehungsfaktor auch zum Besitzer des Besitzers. Der rechtliche Besitzer muss zumindest einen ideellen Verlust in Kauf nehmen (Leid), um sich aus dieser Verschränkung von Besitzen und Besessen Sein zu lösen. Ein weiterer Trick, Freiheitsverlust als Preis für momentane Erleichterung einzufordern, ist die Instutution der ideellen, nur mit Schuldgefühlen und Busshandlungen tilgbaren 'Schuld')
Eine weitere Ungenauigkeit des Angebots-Nachfragemodells besteht in der theoretischen Gleichsetzung der Nachfrage nach materiellen und nach ideellen Leistungen, besonders dann, wenn dieses Modell ideologisch dazu missbraucht wird, vom Phänomen der Zyklen abzulenken oder die Wirkung von Zyklen auf die Wirtschaft überhaupt zu leugnen.
Geradezu verschwiegen wird aber, dass Nachfrage von denen gelenkt wird, die das Angebot danach bestimmen, wieviel Macht und Kontrolle es ihnen über die für ihre Hochtechnokratie benötigten Ressourcen verleiht. Sie können es sich leisten, selbst dringendste Nachfragen unbefriedigt zu lassen (Bildung, Gesundheit) und Angebote aufzudrängen, die eigentlich Niemand, ganz gewiss der Endverbraucher nicht, freiwillig annimmt (Rüstung, Erniedrigende Überwachung des Einzelnen, Foltereinrichtungen, Drogen, Terror).
Sie verschaffen sich fortlaufend generellen Überblick über die Nachfrageschwerpunkte und deren globale Verteilung und planen ihre Reaktionen auf mögliche Versuche der Nachfrageseite, die ihr theoretisch zugestandene, indessen bloss eingebildete Macht auszuüben. Währenddessen wuselt eine Politik 'auf höchsten Ebenen' dahin und lenkt mit Knalleffekten (Terrorismen, Revolten, Atomtests, Militärschlägen) über den Häuptern der Aufgeklärten und rechstsstaatlich für 'frei' 'human' und 'demokratisch Erklärten' genauso undurchsichtig wie über den verhüllten Köpfen der von wahllos kombinierten Allaussagen über 'Heiliges' und 'Auserwähltsein' Verzückten und Betäubten. Politik erweist sich also deutlich als das zu allerletzt taugliche Mittel, die Abhängigkeit der Endverbraucher vom ihnen gnädigst gemachten Angebot zu überwinden.
Weder die anonym gelenkte Markt-Wirtschaft noch die Politik können den Einzelnen daran hindern, sich über die warme Herbstsonne zu freuen - vorausgesetzt, dieser hat für seine Freiheit dazu vorgesorgt. Geschenkt wird Freiheit nie. Nichts und Niemand auf der Welt hat Macht, Freiheit zu schenken. (Wer als Erwachsener noch solchen Versprechen glaubt, ist wirklich selber schuld.) Sie kann nur vom Einzelnen errungen und gelebt werden. Dabei muss dieser sich aber seiner Mitverantwortung dafür bewusst sein, dass die Voraussetzungen für die Freiheit der Andern ebenso erfüllt sind wie für die, die er für sich selbst beansprucht.
Nashaupt - 17. Okt, 15:54
Was ist eigentlich 'Führen' - und was kommt langfristig dabei heraus?
Wer was von 'Politik' versteht, lässt die Finger davon, drängelt sich in ihr zumindest nicht an irgend eine Spitze.
Das 20. Jahrhundert war von 'grossen Führern' in Politik und später in Wirtschaft und Wissenschaft und von deren Gefolgen und Hörigen geprägt.
Die Welt leidet heute noch an den Folgen der grobschlächtigen Kulte des Unterwerfens, Gefügig- und Verfügbarmachens und des Ausmerzens alles Unpassenden und Störenden, die damals einen ersten Höhepunkt ihrer Brutalitätsentfaltung erreicht haben und gegenwärtig auf einen neuen solchen Punkt zutreiben.
Die Kyklopen sind zwar gebändigt, die Titanen entmachtet, aber sind die Olympier wirklich besser?
Man hat zwar die Symbole und Sprachregelungen des Faschismus und des Nationalsozialismus zum Verschwinden und Schweigen gebracht und deren Verwendung manchen Orts unter Strafe gestellt, aber die diesen Auswüchsen kollektiver Betörung zu Grunde liegenden, infantilen Süchte nach Vollkommenheit, Unfehlbarkeit und Allmacht sind mitnichten diagnostiziert geschweige denn bewältigt. Wo immer man hinschaut, sieht man Politik von diesen Süchten blind getrieben.
Rituale und Codes für Teilhabe an der Macht
Wer Politik als Verantwortung gegenüber dem Menschsein unter Bedingungen der Kollektivität wahrnimmt, , vermeidet möglichst die Sprachregelungen und Redekünste, die zu kennen und zu beherrschen Zutritt zur 'Classe Politique' verschafft und wie ein Sicherheitscode die sich diesen Regeln Widersetzenden und diese Künste Hinterfragenden zuverlässig davon ausschliesst.
Politik, die ihren Auftrag nicht darin erkennt, Freiheit für alle zu mehren und wenigstens zu wahren und zwischen den Freiheitsansprüchen von Minderheiten und den Bequemlichkeitsanprüchen der Mehrheit(en) unablässig zu vermitteln und die statt dessen Himmelreiche für Gefolgsbereite und Hörige verheisst und entsprechende Abhängigkeiten für Hörige und Zwänge gegen Widerspenstige institutionalisiert, lässt sich nicht auf Dauer - d.h. nach Kriterien der Evolution der Menschheit - rechtfertigen, sondern bestenfalls dogmatisch schützen, bis sie unter der Fracht der dazu notwendigen Zweckbehauptungen und eigentlichen Lügen zusammenbricht.
Das Grunddogma für die Institutionalisierung von Macht erhaltender Zweckbehauptung und Gewaltanwendung
Einer der gefälligsten Einwände der Classe Politique Mondiale gegen Vorstellungen, der Menschheit nicht nur notdürftig knappste Überlebenschancen und grossartig benannte aber weitgehend wert- und wirkungslose Scheinfreiheiten zu gewähren, sondern kulturelle Entfaltungsmöglichkeiten zu verschaffen, lautet, die Geschichte beweise, dass der Mensch unabänderlich so veranlagt sei, nicht aus ihr zu lernen und wider besseres Wissen durch wiederholtes und fortgesetztes, unvernünftig egoistisches Verhalten für sich und Andere leidvolle und katastrophale Wirkungen zu verursachen. Der Mensch sei nicht zur Weiterentwicklung in der Richtung fähig und dazu geschaffen, deren es bedürfte, um Schweinereien des Ausmasses, die heute der Welt als Ganzes zugemutet werden, zu vermeiden (homo homini lupus). Eine zivilisierte Kollektivität sei ohne die erniedrigenden Bedrohungen und Zwänge, die heute dem Einzelnen auferlegt sind, nicht denkbar, nicht möglich und nicht aufrecht zu erhalten. Darum sei es grundsätzlich unumgänglich und unerlässlich, den Menschen einer von Besserwissern errichteten und durchgesetzten Ordnung zu unterwerfen. Jeder Entwurf für eine Weiterentwicklung der Menschheit ohne dieser aufgezwungene Kontrollen sei wirklichkeitsfremde Vision und grundsätzlich unrealisierbar.
Die Menschheit als endgültig definierte, modular verfürbare Ressource für menschengestaltige Auserwählte
Solche Einwände kann man erstaunlicherweise auch von religiösen Menschen wie etwa praktizierenden Christen hören, von denen ja Einige den Menschen als 'Gottes Geschöpf nach dessen Ebenbild' auffassen. Die Frage, was denn das wohl für ein Gott sein müsse und was von diesem zu erwarten sei, wenn dessen Ebendbild keinen lern- und entwicklungsfähigeren Menschen habe hervorbringen können, bleibt dabei 'aus Pietätsgründen' unbeantwortet. Sie hätte eigentlich nicht gestellt werden dürfen und muss als vom Satan eingeflüstert klassifiziert werden.
Von den agnostisch eingestellten Teilhabern an der Classe Politique Mondiale muss man dagegen annehmen, dass sie sich selbstgefällig - da ausdrücklich ohne Berufung auf eine höhere Instanz, der gegenüber sie irgendwie wenigstens auch nur theoretisch verantwortlich wären - als von der Evolution selektionierte Ausnahmen betrachten, denn nur so können sie begründen und rechtfertigen, wieso sie Zwänge gegen anders Denkende und Fühlende bzw. gegen 'unqualifiziert' (will letztlich heissen : 'ohne Billigung und Erlaubnis') Denkende und Fühlende einrichten und ausüben, um letzten Endes immer allein 'Recht' zu haben und zu behalten.
Die Vorläufigkeit aller Überzeugung.
Wer von sich behauptet, überzeugt zu sein, macht sich vor, zu wissen, was er in Wahrheit unmöglich wissen kann.
Er verwechselt die Grundlage seiner Überzeugung mit deren Inhalt und Essenz, die letztlich auf von Hoffnungen, Sehnsüchten, Ängsten und Abwehrhaltungen geprägte Vermutung ist.
Wahrhafte Überzeugung ist etwas Vorläufiges. Sie gründet auf Wissen, beinhaltet aber dieses ergänzende und ausschmückende Vermutungen, Bilder und Projekte.
Wird sie, ohne mit aus wahrhafter Erfahrung hinzugewonnenem, die Vermutung bestätigendem oder berichtigendem Wissen unterlegt zu sein, endgültig bzw. 'fest', 'unerschütterlich', kann sie leicht zur fixen Idee, zum abergläubischen Dogma bzw. zum Dienst an einem Wertsystem oder an einem Kult ('Gesinnung' i.S. von automatisierter bzw. automatisierender Ausrichtung auf das im den Augenblick erhellenden Schein Erkennbare) missraten. Sie muss dann ihre Behauptbarkeit durch Dominanz und Machtmissbrauch auf Kosten ihrer Wahrhaftigkeit kompensieren. Wahrhaftigkeit aber ist neuer, verfeinernder und unablässig nach allen Seiten hin sich wendender und überprüfender Einsicht zugänglich. Sie kennt kein Mauern, kein Verschweigen und keine Verweigerung des Gehörs. Wo keine Wahrhaftigkeit eine Haltung belebt und gestaltet, kann auch von 'freier Überzeugung' keine Rede mehr sein. Die Fixierung steht der Freiheit der Überzeugung im Wege. Was als markig bekannte Überzeugung daherkommt, ist eigentlich zweckdienliche Pose, karriereförderliche Heuchelei oder Aufforderung zum geistigen Stillstand, zum intellektuellen Strammstehn.
Die individuelle Verantwortung für die eigene Überzeugung
Überzeugung ist ein typischer, situationsbezogener Beweggrund und strukturiert das Wagnis, vermag dieses aber nicht schon durch sich allein sachlich und inhaltlich ethisch nachvollziehbar zu machen oder sie gar zu rechtfertigen. Insofern ist jedes von Überzeugung geprägte Handeln ein Wagnis.
Wer immer ein Wagnis eingeht, muss das Risiko eingehen, dafür von der Gesellschaft, in deren Wertsetzungs- und -erhaltungsdomäne und in deren Urteilsbereichen er agiert, Missbilligung zu ernten und darauf verzichten zu müssen, dass diese seine versuchte Rechtfertigung versteht und akzeptiert.
Die ängstlich das kollektiv Erreichte ('Ordre Public', Standard, 'Normalität', 'Usus', 'Sitte', 'Gewohnheit') bewahrende Tendenz und der spontan abwehrende Reflex gegenüber im Vergleich zum Standard übermässig Zurückgebliebenen (Fremdes) oder Vorauseilenden (Neues, Bedrohliches) sind nun mal zwei prominente Aspekte des hochkomplexen, innerlich in mancher Hinsicht widersprüchlichen Grundmotivs, Gesellschaft zu suchen und zu bilden.
Die Überzeugungsfreiheit kann keinen Schutz vor Schuldigsprechung für Verstösse gegen Gesetz und 'Ordre Public' bieten; das zerrüttet die Ordnung, durch die sie gewährt ist.
Der Wagende muss bereit sein, nach den gegenwärtig für unantastbar gehaltenen Masstäben der Gesellschaft 'schuldig gesprochen' zu werden (was nicht mit 'schuldig sein' zu verwechseln ist) und um die Nachsicht betteln zu müssen, mit der von dieser (Gesellschaft) Schuld erlassen wird - jedenfalls, wenn seine Eigenständigkeit (n.b. nicht mit Rücksichtslosigkeit zu verwechseln) überfordert ist.
Dass man aus Überzeugung zu einer Tat schreitet, kann nachvollziehbar sein. Kein Beweggrund aber kann als solcher eine Tat zur rechtmässigen oder akzeptablen machen (der Recht-fertigung bedarf ja nur, was nicht an sich schon Recht ist), wo sie eigentlich rechtswidrig und nach dem kollektiven Standard inakzeptabel ist, es sei denn, er (der Beweggrund) habe erwiesenermassen darin bestanden, rechtmässig zu handeln, was dann aber im zu beurteilenden Fall aus für jeden unter denselben Bedingungen in derselben Situation urteilsfähigen Handelnden unvorhersehbaren Gründen missraten ist.
Die Schuldigsprechung für Verstösse gegen Gesetz und 'Ordre Public' darf nicht zu Pauschalverurteilung und Diskriminierung führen.
Das behindert die nachhaltig taugliche und entwicklungsfähige Anpassung allen ordnenden Bemühens an die veränderten Voraussetzungen und Bedingungen der dem Gleichheitsgrundsatz gemäss wirkenden Durchsetzbarkeit und Vollstreckbarkeit.
Hier beginnen sich die Herausforderungen an die Kollektive der Zukunft unter sich deutlich mehrenden Aspekten zu manifestieren. Der enorme Nachholbedarf für die Entwicklung politischen Denkens und Projektierens wird deutlich.
In diesem Text ist kein Platz, Weiteres zum bisher von den Führenden und sich auf allen Ebenen und unter verschiedensten Vorwänden Führung Anmassenden Versäumten zu erörtern.
Eine 'Neue Weltordnung', die diese Herausforderungen leugnet oder ihnen auf möglichst billigste und bequemste Art nur scheinbar gerecht zu werden versucht, wird den von ihr selber erzeugten Belastungen nicht standhalten. Das Gewicht ihres Daches wird sie erdrücken. Die Beiträge an eine humane Globalisierung müssen aber zu wesentlichen Teilen auch auf den nationalen Ebenen geleistet werden, damit sie stabil und tauglich werden kann. Sie hängt wesentlich auch von der Weiterentwicklung des internationalen und globalen Umgangs mit der Überzeugungs- und Bekenntnisfreiheit ab.
Gastfreundschaft - die originale und elementare Grundlage aller Zivilisation
Jeder, der in irgend einer wie auch immer organisierten und dominierten oder moderierten Gemeinschaft aufwächst, macht diese Grunderfahrung einer für jede definierte Gemeinschaft eigenen und typischen Haus- bzw. Wertordnung. Jeder Mensch macht die Erfahrung, dass beim Nachbarn oder im Haus eines Verwandten vielleicht nicht mehr, noch nicht, überhaupt oder anders bedingt nicht willkommen ist, was man zu Hause mag oder dass dort erwartet wird, was man zu Hause nicht mag, nicht kennt, nicht gelernt hat. (Andere Länder, andere Sitten).
Es ist ein global elementares und unverzichtbares Merkmal von Zivilisation, auf welcher Grundlage solche wie auch immer ausgestaltet sein mag, dass man sich als Gast an die Hausordnung des Gastgebers hält. Diese Regel ist die unerlässliche Ergänzung zum ebenfalls zivilisatorischen Grundprinzip der Gastfreundschaft gegenüber dem 'Fremdling'. (In dieser Hinsicht wirken Freizeit- wie Unternehmens- und Ressourcentourismus in zu mancher Hinsicht usurpatorisch und kolonisatorisch).
Es liegt in der Natur der Sache, dass der Gastgeber Hausherr ist und sein und bleiben soll und dass der Gast sich den Geboten des Hausherrn grundsätzlich widerspruchslos zu unterwerfen hat und eigentlich mit jeder Forderung und Reklamation an den Hausherrn vom Gast zum Usurpator, zum Besatzer wird, die Gastfreundschaft missbraucht und damit auch verwirkt.
Die Vermengung von Gastfreundschafts- und Gastrechtszivilisation mit Handel zwischen Gästen und Gastgebern.
Sie kann unmöglich hier auch in nur gröbsten Strichen skizziert werden. Sie soll nur zur Anregung daran anknüpfbarer Beobachtungen und Gedankenstränge in Erinnerung gerufen werden.
Generell ist zu sagen, dass Gastfreundschaft und (wohlgemerkt ehrenhafter) Handel nicht voneinander zu trennen sind und sich gegenseitig anreizen und bedingen. Dass die Gastfreundschaftszivilisation von den Zwängen moderner Ressourcen-, Handels- und Unternehmensstrategieen unter Druck geraten sind, liegt eben auch daran, dass die Globalisierung bisher zu sehr von strategisch geprägten Überlegungen und Absichtsbildungen angetrieben war und dass diese Dynamik wohl auch noch für einge Jahre schwer ohne besser zu vermeidende Auswirkungen zu modifizieren sein wird.
Strategie strebt nach Erwerb und Ausbau von Macht-, Vormachts- und Überlegenheitspositionen und neigt auch zu einem gewissen Hochmut gegenüber Rücksichtnahme, Selbsteinschränkung und Verzicht, die wesentliche Elemente der Gastfreundschaftszivilisation ausmachen.
Die techno-ökokratischen Interessen haben sich in ähnlicher Weise feldzugsartig global installiert, wie ihre vordergründig überzeugungs- bzw. bekenntisbasierten Vorgängersysteme und sie beharren dabei in ähnlich autoritärer Weise auf ihren Dogmen, deren willige Befolgung sie reichlich belohnen und deren Anzweifelung sie in verschiedener und unterschiedlich diskreter Weise bestrafen. Was ihre Dogmen anbelangt, ist ihre Bereitschaft zur Anerkennung der Respektierung abweichender oder gar widersprechender Anschauungen auf das für die situationsgerechte Imagepflege unerlässliche Mindestmass reduziert.
Was für die Überzeugungstat gilt, muss in entsprechender Weise auch für das Kundtun einer Überzeugung gelten.
Die Freiheit, selber von etwas überzeugt zu sein, muss jedem uneingeschränkt belassen sein. Dazu gehört auch, diese Überzeugung mit anderen in dazu bestimmten und geeigneten Rahmen und mit dazu bestimmten und geeigneten Mitteln (z.B. Literatur, aber nicht Hetzschriften) zu erörtern und zu vergleichen.
Fragwürdig ist aber bereits die propagandistische oder plakative Bekenntnistat oder ein auf eine entsprechende Bereitschaft deutlich hinweisendes Verhalten in einer für die Allgemeinheit frei und neutral zugänglich gehaltenen und nach den geltenden Kommunikationsregeln frei zu haltenden Umgebung. Dort müsste idealerweise die propagandistische, missionarische, plakative, anwerbende oder gar provokative Verwendung von Überzeugungs- und Bekenntnissymbolen generell, d.h. ohne Ausnahme für alle Arten von Überzeugungs- und Bekenntnisverhalten, unterbleiben, um jedermann ungeachtet seiner persönlichen intellektuellen und mentalen Befindlichkeit die Nutzung der öffentlichen Einrichtungen ohne ideologische oder psychische Beeinträchtigung seiner Bewegungsfreiheit zu gewähren.
Das lässt sich in einer Umgebung, wo die global sich ausbreitenden Erwerbsbedingungen Menschen unterschiedlichster Herkunft zueinanderführen, rein praktisch nicht mehr bewerkstelligen und die in Gang geratenen Kräfteentfaltungen sind nicht mehr aufzuhalten, bestenfalls eingeschränkt korrigierbar. Man kann etwa auf dominierende Präsenzen und Wirkungsentfaltungen gewisser Symbole für publizitätslüsterne Scheinüberzeugungen, die eigentlich politische Agitation zum Programm machen, verzichten und militante Auftritte einschränken. Das wird aber überempfindlich eifernden Rechthabern aus allen Ecken und Enden der Welt nie genügen. Es besteht daher kein Anlass, auf Eiferer, welcher Herkunft und Überzeugung auch immer, besondere Rücksicht zu nehmen oder ihnen gar eigens zu Hilfe zu eilen.
Vermutlich das Tauglichste wäre, die Eiferer im Rahmen der Rechtsordnung gewähren zu lassen, aber ihnen dort schon deutlich zu verstehen zu geben, dass und wie lästig sie fallen und auffallen, wenn sie beharrlich ihren selbstgefälligen Widerwillen gegen die allen gleichermassen auferlegten Beschränkungen bekunden, die die Übrigen in die Gepflogenheiten hiesigen alltäglichen Umgangs integriert haben. Auch ist ihnen deutlich zu machen, dass der Gastgeber in seinem Haus die Ordnung setzt und auslegt und nicht der Gast. Der Gast, der so zur Ordnung gerufen werden muss, hat diese Demütügung selber zu verantworten. Er kann sich dagegen nicht unter Berufung auf seine Bekenntnis- und Überzeugungsfreiheit verwehren.
Die allgemein gegebenen Bedingungen, unter denen jedermann gleichermassen gezwungen ist, ihm persönlich Ungefälliges, Widerwärtiges, ihn Störendes, Empörendes, Provozierendes und für ihn Ekelhaftes gelegentlich anzusehen, zur Kenntnis und in Kauf zu nehmen, belasten alle gleichermassen und es ist kein Verdienst, ein Recht auf Besänftigung eifernder Überempfindlichkeit dagegen geltend machen zu wollen. Das Erdulden und Aushalten eines gesteigerten Masses an sog. 'ideellen Immissionen' unterschiedlichster Art und vielfältigster Herkunft ist die unerlässliche Gegenleistung für die eigene Überzeugungs-, Bekenntnis- und Gesinnungsfreiheit. Sog. 'Minderheiten' sind dadurch nicht mehr belastet als die Allgemeinheit. Sie sind daher nicht diskriminiert, wenn sie dadurch nicht ihren Sonderwünschen gemäss besonders und nach hiesigen Gewohnheiten übermässig geschützt werden.
Wer sich in der Welt des Profanen bewegen und in den Genuss der dort gebotenen Bequemlichkeiten, Optionen, Möglichkeiten und Annehmlichkeiten gelangen will, muss die Bedingungen ihrer Angebote akzeptieren oder sich einschränken wenn nicht gar konsequent auf die damit verbundenen Vorteile verzichten. Wer mit dem Profanen nicht in Berührung kommen will, soll sich davon auch nicht bedienen oder gar unterstützen und schützen lassen wollen. Wer von den Früchten des Fortschritts geniessen will, kann nicht ernstlich fordern, dass dieser Baum aus dem Grund, auf dem er gewachsen, entwurzelt und in dafür ungeeigneten, von Rückständigkeiten belasteten Boden umgepflanzt werde.
Geschähe dies, wär's bald um die künftigen Früchte des Fortschritts geschehen. Und wer unerfahren Früchte von einem ihm unbekannten Baum geniessen will, in der Vostellung, sie mundeten ihm nach seinen Erwartungen, darf sich nicht wundern, wenn sie einen für ihn unerwarteten oder gar schwer zu ertragenden Nach- oder Beigeschmack haben oder ihm gar Bauchschmerzen verursachen. All die Unerfreulichkeit solcher Erfahrung berechtigt den so Enttäuschten nicht, diejenigen, die diese Früchte geniessen und ertragen der Intoleranz und der Diskriminierung zu bezichtigen und von diesen zu fordern, doch bitte sehr diese Früchte nicht mehr zu geniessen, allen zu verbieten und Bäume zu ziehen, die ihm bekömmliche Früchte tragen. Es ist wirklich ganz und gar allein seine Sache, den Garten zu finden oder selber zu bauen, wo die Bäume wachsen, die seine Lieblingsfrüchte tragen.
Niemand kann aus Überzeugung gegen das angeblich Profane und Nichtswürdige hetzen und gleichzeitig aus dessen Hand das Brot essen. Der Beweggrund zu solchem Verhalten liegt eher in Unwissenheit und aggressiv rechthaberischer Kompensation ihrer Folgen.
Die Überzeugungsfreiheit begründet keinen Anspruch auf Schutz von Unwissenheit, Beschränktheit, Rückständigkeit und unbewältigtem Frust als Quasikulturgut gegen schonungslose Kritik und Bloss- und Richtigstellung eben solcher Rückständigkeit. Eigentlich tut nicht wirklich seine eigene Überzeugung sondern seine selbstgefällige Gesinnung kund, wer andere Überzeugungen nach ihm selbst genehmen Masstäben aburteilt und abwertet. Statt abzuurteilen und abzuwerten kann man erklären, was einem an der kritisierten Überzeugung oder am fremden Bekenntnis nicht zugänglich ist. Das setzt aber statt Propaganda seriöse Auseinandersetzung mit der fremden Überzeugung oder mit klar bestimmten und ausgewählten Aspekten davon voraus. Gerade dazu sind aber Eiferer im Allgemeinen nicht bereit. Sie sind empört darüber, dass andere Überzeugungen überhaupt bestehen.
Rechtsstaatliches, sozialpolitisches und gesellschaftliches Diskriminierungsverbot
Das Recht auf die Freiheit, eigener Überzeugung gemäss zu werten und zu handeln, beinhaltet kein Recht auf Schutz der eigenen Überzeugung gegen Anfechtungen und gegen Konkurrenz seitens anderer Wertgefüge. Es beinhaltet nur die Unabhängigkeit der Rechtsgleichheit vor dem insgesamt für alle geltenden Recht davon, wovon Jemand überzeugt ist oder wozu er sich bekennt. Darin erschöpft sich das rechtsstaatliche Diskriminierungsverbot.
Eine Zwischenstellung nimmt das sozialpolitische Diskriminierungsverbot ein. Es ist bereits um einiges komplexer als das rein rechtsstaaliche. Es überschneidet und deckt sich mit dem rechtsstaatlichen, soweit sozialpolitische Grundsätze und konkrete soziale Massnahmen und Verfahren gesetzlich einheitlich geregelt sind. Daran schliesst ein Bereich an, wo uneinheitliche Regelungen auf regionalen, kommunalen oder anderen organisatorischen und strukturellen Unterschieden dominieren. Dieser uneinheitlich gestaltete Bereich geht hadernd und fransig in den Bereich hängiger sozialpolitischer Postulate und Kontroversen über. Entsprechend schwierig ist es in diesem Bereich, guten Gewissens statt selbstgefällig zwischen Diskriminierung und tauglicher Lösung zu unterscheiden.
Neben dem rechtsstaatlichen und dem sozialpolitischen gibt es auch das Ideal des gesellschaftlichen Diskriminierungsverbots. Dieses ist noch einmal weit plastischer und insofern parteiischer als das rechtsstaatliche und als das sozialpolitische als es nicht auf objektive bzw. objektivierbare (rechtliche) und auch nicht auf klar ideologische Kriterien abstellt, die das 'Soziale' umschreiben, sondern auf etablierte Gewohnheiten, nach denen spontan Sympathie oder Antipathie für andere entwickelt werden. Zu diesen Gewohnheiten gehören auch sog. Selbstverständlichkeiten,
das und das zu tun und das und das zu unterlassen (Ästhetische Normen wie Höflichkeit, Rücksichtnahme, Hygiene, Dosierung der Erregung öffentlichen Aufsehens), deren Nichtbeachtung zwar rechtlich kaum von Bedeutung ist aber nach ungeschriebenen gesellschaftlichen Regeln selektionierend Goodwillpunkte kostet. Es unterliegt der jeder Gesellschaft eigenen Launenhaftigkeit von Moden und kollektiven Stimmungen (denen die Medien vermutlich ebensosehr folgen wie sie sie mitgestalten). Daraus erklärt sich, warum in gewissen Fällen sog. gesellschaftliche Integration beinah reibungslos von statten geht, in andern kaum vom Fleck kommt und dies dann einer Überzeugung oder einem Bekenntnis statt einer wegen Wissensdefiziten rückständigen Gesinnung zugeschrieben wird.
Die Überwindung solcher Zivilisationskompetenz- und -erfahrungslücken ist eine elementar kulturelle Aufgabe. Sie stellt sich den Erziehungs- und Bildungsverantwortlichen gleichermassen wie den Kultur Schaffenden - global, nicht nur national. Es liegt in der Natur der Sache, dass hier die Herausforderung und die Verantwortung für deren Annahme auf Seiten der Fortgeschritteneren liegt und von den Rückständigen - zunächst jedenfalls - nichts mehr als und auch mindestens Gutwilligkeit (Kooperationsbereitschadft) erwartet werden darf.
Was für das Kundtun einer Überzeugung gilt, gilt in besonderem Masse für jedes Werben dafür
Die grundsätzlich uneingeschränkte Freiheit, ungeachtet allen Rechts nach eigener Überzeugung zu werten und urteilen und - im Rahmen des Rechts demgemäss zu handeln und zu wirken, schliesst nicht die uneingeschränkte Freiheit ein, Andere zu überzeugen bzw. als 'Anhänger' für die eigene Überzeugung bzw. des eigenen Bekenntnisses zu werben.
Hier ist die eindeutige und absolute Grenze die Freiheit jedes Angesprochenen, nach eigenen Vorstellungen und Erfahrungen seine eigene Überzeugung zu erwerben, zu bilden und dieser gemäss in jeder Hinsicht uneingeschränkt zu werten und zu urteilen und - unter Beachtung des geltenden Rechts - zu handeln und zu wirken (die Beachtung des geltenden Rechts ist also auf das Handeln und Wirken nach einer Überzeugung bzw. gemäss einem Bekenntnis beschränkt.)
Die Anwendung manipulativer Praktiken zur Werbung für eine Überzeugung verletzt die Überzeugungsfreiheit des Beworbenen und kann daher nicht mehr Teil der geschützten Überzeugungs- und Meinungsfreiheit sein. In dieser Hinsicht leisten sich aber bereits sich 'freiheitlich' nennende Parteien bemerkenswerte Schnitzer, denn, was 'freiheitlich' sei, möchten sie am liebsten gleich auch für alle Übrigen bestimmen, genauso wie die, die sich 'violett' nennen, für den Rest der Welt bestimmen wollen, was 'violett' sei.
Der Schutz der Überzeugungsfreiheit beinhaltet zwar Schutz vor Schmähung und Hetze gegen die Überzeugungsträger aber keinen Schutz vor analytischer Kritik an deren Überzeugung und auch keinen Schutz vor ironischem, satirischem, sarkastischem oder im philosophischen Sinne zynischem Ausdruck solcher Kritik.
Unter Hetze ist jede Äusserung oder Geste der persönlichen Geringschätzung, Herabwürdigung, Abwertung, Verleumdung der Anhänger einer Überzeugung oder eines Bekenntnisses zu verstehen. Dazu gehört jede Unterstellung von Gesetz- und Ehrlosigkeit als Bedingung oder Folge der Zugehörigkeit zur Gruppe der so oder anders Überzeugten, so oder anders sich Bekennenden. Dazu gehört jede Art von genereller Stimmungmache gegen ein Bekenntnis oder eine Überzeugung jede pauschale Herstellung einer Verbindung der Überzeugung oder eines Bekenntnisse mit negativen Qualitäten wie Gefährlichkeit, Subversivität, Barbarei usf., ohne ganaue Anknüpfung an nachweisliche Zitate und Begebenheiten, und es gehört dazu jede verbale, schriftliche oder bildliche Äusserung, die geeignet ist, bei für derartige Signale Empfänglichen als Aufforderung zur systematischen und gewohnheitsmässigen Benachteiligung einer Gruppe von Überzeuguns- bzw. Bekenntnisträgern anzukommen.
Keinerlei Schutz für Lug, Trug und Heuchelei
Keinen Schutz bietet indessen die Bekenntnis- und Überzeugungsfreiheit gegen Vergleiche von Inhalt, Symbolik und Allegorik von Überzeugungen mit konkurrierenden oder entgegenstehenden Überzeugungen. Keinen Schutz bietet sie auch gegen schonungslose Äusserungsformen, die den kritisierten Überzeugungen zuwiderlaufen, die aber Teil der internationalen Medienkultur geworden sind und die in gleicher Schonungslosigkeit auch andere Überzeugungen auf's Korn nehmen (Karrikaturen, Cartoons, Werke der Kunst und der Literatur).
Keinerlei Schutz und Respekt gebührt allem Lug, Trug und aller Heuchelei, gleichgültig, in welcher Überzeugung und bei welchem Bekenntnis diese blosszustellen sind oder von denen ein böser Schein ausgeht.
Keine Überzeugung und kein Bekenntnis auf der Welt, das nicht als Vorwand missbraucht wird oder nicht zur Spielwiese für Heucheleien und Rattenfängereien taugt - einfach absolut kein einziges.
Und Je wahrer die Überzeugung oder das Bekenntnis, desto verlockender ist für die Arglistigen sein Missbrauch. Jedes Bekenntnis und jede Überzeugung muss sich ohne Unterschied laufend, überall und bei jeder Gelegenheit diesem allgegenwärtig latenten Vorwurf stellen. Die Überzeugungsfreiheit darf genau gegen Missbrauch von Bekenntnissen und Überzeugungen keinerlei Schutz gewähren, wenn sie nicht nur sich erhalten, sondern sogar die Überzeugungen und Bekenntnisse vor sie schädigendem Missbrauch schützen will.
Was tun Touristen eigentlich und was geschieht mit ihnen ?
Tourismus - eine unbegrenzte Unentrinnbarkeit
Damit, dass sich ein erwachsenes Individuum aus seiner einigermassen nach seinen selbst erkannten und bestimmten Bedürfnissen eingerichteten und kontrollierten, abfertigungsfreien Infrastruktur, die es sein 'Zuhause' nennt, für längere Zeit gänzlich hinaus in ein Gemenge fremdorganisierter und kontrollierter Infrastrukturen und Bedienungs- und Abfertigungsabläufe hineinbegibt, wird es unentrinnlich und rettungslos zum Touristen. (Kinder erleben das 'Zuhause' als fremdbestimmte Infrastruktur und Bedienungs- und Abfertigungsroutine. Die Urlaubskulisse erlaubt ihnen die Illusion eines Ausbrechens aus diesen Strukturen und Routinen. Die Voraussetzungen und Bedingungen dieses Tapeten- bzw. Kulissenwechsels und der Kulissen selbst sind ihnen noch nicht allgegenwärtig).
Die Verwandtschaft zwischen Arbeit und Urlaub offenbart sich schonungslos. Die Arbeitswelt ist der Urlaubswelt unerwartet näher als dem 'Zuhause', denn die Urlaubswelt ist nicht anders als die Arbeitswelt ein Konglomerat fremdorganisierter, -getakteter und -gelenkter Infrastrukturen und Abfertigungen und für ihre Anbieter knallharte Arbeits- und Erwerbswelt. Dasselbe gilt für die Welt der Kultur- und Kunstangebote und auch die Angebote für spirituell Parfümiertes sind davon in keiner Weise befreit, es werden dafür nur andere Sprachregelungen installiert.
Unklare Motive und unausweichliche Zwänge.
Als Zweck des Tourismus wird die Ermöglichung von Urlaubsangeboten aufgefasst und Urlaub wird angeblich gemacht, um sich zu erholen - aber wovon eigentlich und wozu?
Je beharrlicher diese Frage gestellt wird, desto deutlicher wird, dass Urlaub nicht eigentlicher Erholung, sondern der Flucht vor Entscheidungen dient, die das Leben grundlegend ändern würden. Die Unfähigkeit, solche Entscheidungen zu fällen ist auf eben die Zwänge zurückzuführen, denen auch aller Tourismus als Urlaubshilfe bzw. Fluchthelfer (Schlepper) unterliegt.
Die Bedingtheit standardisierter Perfektionsansprüche durch Infrastrukturen, Bedienungs- und Abfertigungsroutinen über- und durchzieht den unter solchen Bedingungen vergeblich gesuchten Ausgleich zur Erwerbs- und Arbeitswelt mit kunststoffgleich atem- und transpirationsbehindernden Schichten allgegenwärtiger Marketing- und Ergebniszwänge. Das kann nicht wesentlich und wirklich erholsam sein. Es wirkt bestenfalls vorübergehend entlastend, so wie man ein schmerzendes Gelenk durch eine Änderung der Körperhaltung entlasten, aber auch zur Angewöhnung einer an sich wiederum ungesunden Körperhaltung verleitet werden kann.
Die Bildungs-, Erziehungs- und Kulturpolitik bemühen sich um in jeder Hinsicht verbesserte Angebote und Leistungen, auch in der Zusammenarbeit mit der Tourismusbranche, geben sich aber wenig Rechenschaft, welche kultur- und sozialpolitisch subtil widersprüchlichen Eindrücke die Bedingungen für diese Verbesserungen bei Vielen durch sie 'Beglückter' bzw. davon Betroffener hinterlassen können.
Konsum jeder Art, und besonders für 'Entspannung' und 'Erholung' ist und bleibt Fortsetzung der Arbeit bzw. des Leistens mit andern Mitteln unter fortwährenden Bedingungen.
Kulissen und Statisten
Allen Tourismusangeboten gemein sind typische Kulissen. Das 'Typische' daran ist das Cliché für irgend eine weltanschauliche Verheissung einer Erfahrung oder eines Erlebnisses, das man gehabt haben müsse, um den Masstäben und Redensarten eben dieser Weltanschauung gemäss 'vollwertig' zu werden oder zu bleiben (das Leben gelebt oder gar genossen zu haben, ihm Sinn zu geben, etwas davon gehabt zu haben, oder dann, um 'erwachsen', 'welterfahren', 'glücklich' oder angeblich gar 'weise' zu werden, 'sich Selbst zu finden', sich einen Selbstwert anzulegen oder ihn zu bestätigen oder ganz einfach, um 'zu Hause' bestätigen zu können, dass man nun auch gesehen und erlebt, sich geleistet habe, was in Prospekten, Reiseberichten und Beschreibungen tausendfach so oder anders aufgedrängt oder vorgelogen wird).
Es spielt keine eintscheidende Rolle, welcher Art Verheissung und diese illustrierender Kulisse man als Tourist den Vorzug gibt oder auf den Leim geht. Man tritt in die Welt der individuell subjektiv bevorzugten Kulissen ein und übernimmt 'freiwillig' - jedenfalls naiv - in dieser Inszenierung von so oder anders 'heiler', 'lebenswerter', 'sorgloser', 'perfekter' oder 'alle Erwartungen über- bietender' Welt die Rolle eines eben diese Illusion bestätigenden Statisten und bezahlt erst noch dafür, abgestuft nach zur Zeit 6 offiziellen Klassen, alle Heucheleien 'zur Überwindung der Zweiklassengesellschaft' bloss stellend.
Vielklassengesellschaft
Im Tourismus wird die übermässig ungleiche Spleissung der Anteilhabe an den Ergebnissen gebündelter Arbeitsleistung nicht nur diskret ausgeformt, sondern beinah kultisch zelebriert. Die obersten Luxusklassen beruhen auf zunehmend aussondernden Preisunterschieden, in gleichzeitig abnehmendem Masse auf objektiv messbar grösserer oder besserer Leistung der Anbieter. Die Hauptleistung wird dort nicht von den Anbietern sondern von den Gästen durch höhere Bezahlung erbracht. Sie beruht auf garantierter Abschirmung der Insassen durch prohibitive Preise gegen das gemeine Volk, das sich den Ritualen kollektiver Reisen anschliesst ('Buspeople') oder - oberhalb der offiziellen Luxusklassierungen - gegen die Vasallen, die sich im Karrierewettbewerb der oberen Kader dem - oft launenhaften - Leistungsvergleich ihrer Bosse aussetzen müssen statt auf Protektion durch ihre Kaste zählen zu können.
Illusionsspiele
Aber auch als 'einfacher' und 'alternativer' Tourist lässt man sich bedienen bzw. will man sich einbilden, bedient zu werden, unberührt davon, ob alle zur Bedienung Beitragenden zu menschenwürdigen Bedingungen arbeiten, unbeirrt auch davon, wie umweltgerecht die Gesamtheit der von ihm beanspruchten Infrastrukturen - einschliesslich Verkehrswege - errichtet und betrieben werden, genauso wie man auch als Arbeitnehmer und Erwerbstätiger nur sehr eingeschränkt und ungefähr eine Ahnung davon und Einfluss darauf hat, wie die kollektiven Infrastrukturen effektiv geplant, politisch gefällig gemacht, errichtet und betrieben werden.
Als Tourist kann man sich selbstgefällig und verantwortungslos in die einem 'zu Hause' grossen Teils abgesprochene Cäsarenrolle versetzen, für den Anbieter den Daumen gönnerisch nach oben oder vernichtend nach unten zu wenden und sich - vor allem beim Pauschalarrangement, wo man ja ohnehin nicht mehr aussteigen kann - darüber hinwegtäuschen, dass das auf die Bedingungen des Gebotenen keinerlei Einfluss hat, weil auch die Konkurrenz eben diesen unterliegt.
Der Tourist erhält die Ferien, die er verdient
Aber die Bedingungen dafür, was er im Urlaub erhalten kann, schafft der Tourist mit seinem Verhalten zu Hause, beim Entwurf seines Lebens, bei der Definition seiner Ansprüche - und seiner Verzichte - also dessen, was für ihn nicht in Frage kommt, dessen, was für ihn Qualität bedeutet oder eben nicht, am Arbeitsplatz, in der Erwerbswelt und als Mitwirkender in Erziehung, Bildung, Kultur und Politik.
Daran gerade, dass er für das, was ihn in seinen Ferien, in seiner Freizeit, bei seiner Suche nach Kultur erwartet, mitverursachend und mitverantwortlich ist, will der Tourist möglichst nicht erinnert werden und für diese Gefälligkeit des Systems bezahlt er vor allem.
Als Tourist bezahlt man in allen Klassen zuviel für eingebildeten Ausgleich von Mankos, die das Leben 'zu Hause' belasten; man bezahlt für wohlfeile und bequeme Kompensation von Defiziten, die man sich durch weitgehend selbst zu verantwortende Disproportionierung eigener Erwartungen an das Leben geschaffen hat und weiter schafft.
Das Individuum findet am Ferienziel oder Urlaubsort, was es zu Hause gelernt, geschaffen und gewirkt. Es hat sich aber bei Antritt der Reise fest vorgenommen, dafür so blind zu sein, wie das der für das Angebot bezahlte Preis erlaubt. Entsprechend schön muss dann der Urlaub auch gewesen sein.
Nashaupt - 29. Sep, 20:33